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Lilencron, Detlev von

(Weitergeleitet von Detlev von Liliencron)

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Der Dichter Detlev von Liliencron (*03.06.1844 in Kiel; +22.07.1909 in Alt-Rahlstedt) ist ein norddeutscher Schriftsteller, der unter anderem eine Novelle zur Geschichte der Dithmarscher Bauernrepublik geschrieben hat.

Novelle "Die Dithmarschen"

Dethlev von Liliencron hat dankenswerterweise mit seiner kleinen Novelle Die Dithmarschen einen schönen Beitrag zu unserer Landschaft geliefert. Auszugsweise und für dieses Medium überarbeitet, soll diese im Folgenden wiedergegeben werden. Wer dabei Lust auf mehr verspürt (oder lieber das –unverstellte- Original vorzieht), der möge dem Hinweis am Ende dieses Beitrages folgen:

Sandsteinplastik, Detlev von Liliencron, Hamburg-Rahlstedt, Gestaltung: Arthur Wiechert, Errichtung: August Dabelstein, Einweihung: 3.6.1934
Detlef von Liliencron

Auszug

"I. Viel, sehr viel, und oft von ausgezeichneten Männern, ist über die Unabhängigkeitskämpfe der Schweiz geschrieben. Schiller hat gewissermaßen mit seinem ‚Wilhelm Tell’ den Punkt gesetzt. Wer aber kennt die Dithmarscher?

Mit höchstem Mut, mit höchstem Einsatz für ihre Heimat haben sich diese jahrhundertelang um ihre Heimat geschlagen. Wie die Schweizer waren sie von unbändiger Freiheitsliebe beseelt. Mit den freien Nordfriesenbrüdern haben die freien Dithmarschenfriesenbrüder fast immer in Streit gelegen. Hier bildet die Eider die Grenze. Also hüben und drüben allerlei Feuerschein von abbrennenden Mühlen und Höfen. Stehlen von Vieh und Weibern. Unfehlbares Aufgehängtwerden der in der Rauferei Gefangenen.

Wahrscheinlich werden die Dithmarschen von der ostholsteinischen Küste durch die Slawen verdrängt worden sein. Ob sie diesem Landstrich den Namen gaben, ist nicht genau klarzulegen.

Zuerst jedenfalls ein Durcheinander: Wer regiert die Dithmarscher. Dann traten immer klarer die Stader Grafen als Besitzer Dithmarschens hervor, etwa bis Ende 1100. Die Stader Grafen, wechselnd verwandt mit den Ottonen, den Hohenstaufen, den Welfen, schickten ihre Statthalter hinüber. Aber hier schon zeigt sich der Dithmarscher: Wohl alle diese Grafenstellvertreter, die sich auch als eigene Herren dünken mochten, werden überfallen, verbrannt, ermordet. Einmal droht Heinrich der Braunschweiger hinüber. Ja, er setzt sich auf große, breite Piratenboote, landet und schüttelt auf dem Außenelbdeich zornig die Mähne. Dann steigt er von ihm hinab in den Fettboden, und das übliche Morden, Brennen beginnt. Kaum aber ist der Löwe (der Löwe in Dithmarschen!) wieder verschwunden, um Bardewik den vernichtenden Tatzenschlag zu geben, erheben sich die Dithmarscher, würgen die Oberaufseher ab, schleifen die Zwingburgen, breiten die ungeheure Brust und rufen: „Nun lass ihn kommen“

Endlich verschwinden die Stader Grafen; es errichtet sich eine Republik, geleitet von den achtundvierzig Regenten. Aber das schlaue Auge eines Priesters, des Erzbischofs von Bremen, blinzelt und liebäugelt hinüber, und richtig: die Dithmarschen nennen sich nun: die Kirchenzollpfennigsteurer des Bremers. Den einen Vorteil hatten sie durch das »herzliche Verhältnis« mit dem Bremer: der Papst schütze sie. Denn immer wieder hatten sie sich ihrer Haut zu wehren. Zwar mit den Stadern und anderen über die Elbe Angreifenden war's vorüber. Auch die freien Nordfriesen, die lieben Nachbarn jenseits der Eider, auch die Hamburger und Lübecker ließen sich in Schach halten. Aber, aber, der Erbfeind machte ihnen unaufhörlich zu schaffen: die holsteinischen Grafen, die holsteinische Ritterschaft, ganz Holstein und später die Könige von Dänemark.

Die Grafen von Holstein, die ‚Adolfe’ aus der Schauenburgschen Sippe, mit ihren stählernen Helmen und stählernen Herzen, und die holsteinische Ritterschaft wurden rot wie geärgerte Truthähne, wenn die Rede auf die Dithmarschen kam: Wie? Was? Freie Bauern? Nicht unsere Leibeigenen? Und mit Ungestüm sich die eisernen Hüte auf die gelben Haare stülpend, die ihnen von den Pagen entgegengehaltenen Zweifäustler an sich reißend, den plumpen Hengsten die Hacken einsetzend, tummelten sie sich, „Sankta Maria“ schreiend, an der Grenze herum. Dann hinein! Aber gleich wieder hinaus! Denn die Dithmarschen, mit ihren Keulen und langen Streitäxten, passten auf. Wenn es auch den Herren gelang, eine Viehherde zu rauben, einen Hof anzustecken – noch ehe sie wieder auf ihrem eigenen Grund und Boden waren, wurden sie schon von den Nachsetzenden überfallen.

In der Hamme, diesem Hauptloch im Dithmarschen Sack, ist besonders oft gerauft worden. Hier suchten die Rittermäuse ins Korn zu kommen. In der Hamme liegen viele geknickte Federbüsche, viele zerbrochene Schwerter, viele zertretene Schilder: Viele hundert Ritter liegen hier, erschlagen von ihren Feinden. Hier fand am Oswaldustage 1404 eine besonders große Schlägerei statt. Der Schauenburger selbst, zwei oldenburgische Grafen (die Oldenburger, verwandt mit den Schauenburgern, fingen schon an, sich in Holstein zu schaffen zu machen), und über dreihundert holsteinische Ritter und gefällige Herren der Nachbarschaft verbluteten hier elendlich.

Und schließlich: Einmal, aber nur dieses eine Mal, kämpften die Holsten und Dithmarscher Schulter an Schulter: am Marien-Magdalenentag 1227 bei Bornhöved gegen die Dänen unter Waldemar dem Sieger.

Waldemar, lange gefangen gehalten vom Grafen von Schwerin, hatte während seiner Festsitzung alle möglichen Eide geschworen, um entlassen zu werden. Auch den: die Holsteiner zufrieden zu lassen. Endlich aus dem Turm wieder erlöst, ließ er sich sofort vom Papste der Eide entbinden, koppelte ein großes Heer zusammen und zog, unterwegs die Dithmarschen zwingend, ihm zu folgen, nach Holstein. Hier aber setzte sich der junge Alf der Vierte zu Pferde, verband sich mit den Lübeckern und einigen Herren nördlich der Elbe und rückte dem Sieger entgegen. Bei Bornhöved (in der Nähe Neumünsters) kam es zur Schlacht. Sie ist eine der folgenschwersten für Holstein gewesen, denn auf immer wurden die Dänen vom Holstenlande abgeschlagen.

Waldemar, der sprühende, glühende Waldemar, von Kopf bis zu den Hacken in schwarzes Eisen gehüllt, von dem nur die lange, flammendrote Feder und die goldenen Sporen abstachen, zwang seinen Friesenhengst von einem Flügel zum anderen und umgekehrt, in immer regem Galopp: er suchte den Grafen. Er hasste ihn. Durch das Visier funkelten seine kleinen Schweinsaugen. Adolf hatte an dem heißen Tage Helm und Harnisch auf die Straße geworfen. Im himmelblauen Wams, am Goldgürtel das riesige Schwert, mit fliegenden, blonden Seidenlocken, suchte er den König. Die Schlacht stand am Mittag noch schlecht für die Holsten. Die Sonne stach ihnen zu sehr ins Gesicht. Da sprang der zwanzigjährige Graf von seiner Stute, hing den Purpurzaum um die Schulter und kniete: die heilige Jungfrau um den Sieg anflehend. Er versprach, im Falle des Gelingens, als Bettelmönch zu sterben. Und wirklich, die heilige Jungfrau erschien am Himmel, tat einige Schritte, bis sie die Sonne erreichte, und spannte dann ihren Mantel vor das Gestirn. Da stieg der Graf ermutigt in den Sattel, und wieder tobte die Schlacht. Zur selben Stunde aber kehrten die Dithmarschen Speer und Schild und traten zu den Holsten über. Graf Waldemar lag schwer verwundet unter seinem sich wälzenden Gaul. Die Dänen flohen.

1460 starb der letzte Schauenburger, Adolf der Achte. Aber bald ward es anders. Adolf, ließ seinen Neffen Christian, den Oldenburger, den Sohn seiner Schwester, krönen. Und auch, obgleich er sich nie bestimmt ausgesprochen hatte, war es ein Lieblingswunsch von ihm, Christian in die Erbfolge Schleswigs einzusetzen. Blieb doch auf diese Weise Schleswig-Holstein ungeteilt. Christian der Erste, ein bildschöner, sechs Fuß großer, ritterlicher, tapferer Herr, dem nur jeglicher Sinn für Geld und Geldeswert („die bodenlose Tasche“) fehlte, dachte in der Marschenfrage ganz anders als sein verstorbener Oheim. Das sich dieser kleine Fleck Erde mit seinen Bauern ihm noch nicht unterworfen hatte, ärgerte ihn außerordentlich. Eine Anfrage zur Hilfe in dieser Angelegenheit bei der holsteinischen Ritterschaft fand natürlich das freudigste Gehör. Aber noch fehlte Christian die Belehnung Dithmarschens durch den deutschen König. Unter dem Vorwande, dem Papst zu huldigen, rüstete sich Christian zum Zuge dorthin. Alles ritt in reicher Pilgertracht. Das Geld war vom König, wie stets, von holsteinischen Edelleuten und Hamburger Großkaufleuten aufgebracht. In Rotenburg an der Tauber, dem eigentlichen Endziel des Königs, traf er mit dem römischen Kaiser zusammen. Dieser, von seinen nächsten Verwandten wenig höflich „die ewige Nachtlampe“ genannt, schien mit seiner endlos langen Regierung das tausendjährige Reich begründen zu wollen. Christian spielte am Hofe in Rotenburg den Schwerenöter rechts, den Schwerenöter links. Die Damen waren entzückt, und – der deutsche König belehnte den Dänen mit Dithmarschen.

Nun sollte sofort mit Pauken und Trompeten der große Zug losgehen. Aber Schweden, ach, Schweden, ach, Schweden! machte dem König zu viele Sorgen. Er focht dort, persönlich immer vorweg: dafür schoss ihm wohl ein Schütze einen Pfeil ins Fleisch. Endlich, als der schöne Christian die Augen schließen wollte, übergab er die Ausführung seines Planes an seinen Sohn Hans. Inzwischen aber drohte der Papst nach dem Norden hin für seine Dithmarscher. Auch der Kaiser widerrief feierlich seine Belehnungsurkunde an Christian. Dem aber konnte sie nicht mehr zugestellt werden, denn er lag lang ausgestreckt auf seinem Paradebett. Der holsteinische Adel polterte: Papst und Kaiser wollen sich einmischen? Wer sind Papst und Kaiser? Und die Ritter machten auf ihren Gelagen unehrerbietige Gebärden nach Süden; dann schlugen sie die Eisenhandschuhe an die Schilde, dass es rasselte: der Bauer soll, er soll nun endlich uns den Steigbügel küssen. Auch König Hans wollte gleich, trotz Papst und Kaiser, den Kriegshelm um die ungeduldige Stirn pressen, aber er musste warten, denn Schweden, ach, Schweden, ach, Schweden! verlangte seine fortwährende Anwesenheit. II. (. . . Schlacht_bei_Hemmingstedt . . . )"

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