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Carmina Burana

Aus Dithmarschen-Wiki

Das Hauptwerk des Komponisten Carl Orff zählt zum musikalischen Weltkulturerbe. Der bislang weltweit einzige Illustrations-Zyklus entstand in Dithmarschen, in der Brunsbütteler Kupfertiefdruckwerkstatt.

Mit freundlicher Erlaubnis der Costa Blanca-Nachrichten. Artikel Bettina Hauser
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Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Im Jahre 2000 regte die spanische Edition Lanuza in der Künstlerstadt Altea an der Costa Blanca in Spanien den norddeutschen Künstler Jens Rusch an, sich Gedanken über einen kleinen Radierzyklus zu machen. Thema sollte ein aufführbare und im Rahmen der UNESCO förderbare Carmina Burana- Inszenierung der regionalen Chöre sein. Als Foyer-Ausstellung sollte der Zyklus die Aufführungen begleiten. Nach Vorlage der ersten 6 Blätter war man jedoch derartig begeistert, daß man beschloss, den Umfang zu erweitern. Der Zyklus wuchs auf 20 Motive und die Edition ließ aufwendige Bruyere-Holzmappen anfertigen. Erste Präsentationen auf Kunstmessen ergaben Subscriptionsnachfragen. Dann erkrankte Jens Rusch lebensbedrohlich an Krebs. Eine der vermuteten Ursachen sah man in der Arbeit mit Säuren. Fast zwei Jahre mußte die Arbeit ruhen. Erst im Jahrhundert-Sommer 2003 konnte er sich einen Arbeitsplatz unter freiem Himmel einrichten, in frischer Luft. Im vorangegangenen Winter hatte er sich die Themen inhaltlich erarbeitet und auch einige der Kupferplatten mit noch ungeätzten Stricharbeiten versehen.

Nach ersten Teil-Präsentationen im Internet ergaben sich überraschende Nachfragen aus allen Teilen der Welt , wohl weil die Illustrationen des Kulturpreisträgers Jens Rusch bislang die einzigen zu diesem Thema sind. Als Konzert-Plakate, CD-Cover und Illustrationen von Programmheften waren seine inhaltsschweren Motive plötzlich sehr begehrt.

Anerkennung von Intendanten und Konzert-Managern bestätigen die inhaltlichen Aussagen der aufwendigen Radierungen. Inspiriert durch die Musik, und nur gelegentlich an Textinhalte gebunden, gestattete Rusch sich einen weit größeren interpretatorischen Freiraum als bei seinen vorangegangenen Illustrationen.

Der Zyklus


Die Ausstellung

Pressetext

Ausstellung der Rusch-Arbeiten im Palau der Miguel Hernandez-Universität in Altea/ Spanien. Foto: C. Frölich
Palau in Altea. Foto: Angel Garcia. Mit freundlicher Erlaubnis der Costa Blanca Nachrichten.

Die Kompositionen der frivolen Mönchsgesänge von Carl Orff gehören zum musikalischen Weltkulturerbe, daher ist es auch folgerichtig, daß die Ausstellung "Carmina Burana" unter der Schirmherrschaft der UNESCO stattfindet. Am 11. und am 12. Juni wird unter dem Titel "Die fünf Sinne" im Palau der Miguel Hernandez-Universität im spanischen Altea das aufwändige Mappenwerk mit den großformatigen Radierungen des norddeutschen Künstlers Jens Rusch in einer großen Ausstellung vorgestellt. Abgerundet wird diese Vernissage durch einen zweihundertköpfigen Chor und ein Orchesterwerk, sowie Präsentationen, die die besagten fünf Sinne ansprechen. Dazu gehören Weine aus Monasterien und Klöstern.

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Entstanden ist der Zyklus jedoch nur teilweise in Spanien. Andrucke, Zustandsdrucke und inhaltliche Ausarbeitungen fanden hoch im Norden Europas, im Dithmarscher Brunsbüttel statt. Zwar mußte Jens Rusch immer mal wieder nach Altea fliegen, um den dort ausgeführten Auflagendruck, die Verstahlung der Druckplatten und die Anfertigung der kunsthandwerklich anspruchsvollen Mappen zu überwachen, aber die Inhalte reiften hier im Norden.

Bruyere-Holz-Mappe

Ausgeführt wurden die Kupfertiefdruck-Illustrationen im Auftrage der Edition Lanuza, die sich bereits anderer klassischer Themen angenommen hatte und einen illustren Sammlerkreis hochanspruchsvoller Zyklen rund um die Erde bedient. Die Überraschung für alle Beteiligten traf ein, als die ersten Arbeiten des deutschen Radierers im Internet veröffentlicht wurden. Anscheinend hatte sich bislang noch kein bildender Künstler in diesem Umfange des Themas angenommen, lediglich naturgemäß Chöre, Orchester und eine unübersehbare Menge an Interpretatoren der lateinischen Frivolgesänge der Mönche aus dem Kloster Benediktbeuern.

Nun folgten Anfragen aus aller Welt, darunter aus Vancouver /Kanada und nicht zuletzt auch des Konzertgebouw-Chores aus Amsterdam. Alle wollten gern auf die anscheinend doch recht treffend gelungenen Illustrationen zurückgreifen, für Konzertplakate und Programmhefte zumeist. Überwiegend fragte man nach der Arbeit mit den Can Can-tanzenden Mönchen, weil der Ausdruck das Gefühl der unkonventionellen, oft frivolen Inhalte so gut traf. Dann folgten Ausstellungsangebote, fast immer im Zusammenhang mit diesen Konzerten. Darum muß sich jetzt die Edition Lanuza kümmern, denn die hat alle Rechte für das Werk erworben. Da alle Veranstaltungen von der Unesco protegiert werden, hat man auch gleich den weltweiten Überblick über diese Veranstaltungen.

Carl Orff

Carl Orff erhielt ab 1900 Klavier-, Cello- und Orgelunterricht. In diesem Jahr erschien auch seine erste Komposition. Carl Orff studierte von 1913 bis 1914 an der Königlichen Akademie der Tonkunst in München und betätigte sich als Komponist von Liedern für Gesang und Klavier. So entstanden 1911 Lieder zu Texten der romantischen deutschen Dichter Hölderlin, Heine und anderen. Neben seinen Kompositionen widmete er sich der Musikpädagogik. Nach kurzem Kriegsdienst (1914) war er bis 1919 Kapellmeister in München, Mannheim und Darmstadt. Carl Orff studierte 1921 und 1922 in München bei Heinrich Kaminski. 1924 gründete er gemeinsam mit Dorothee Günther die Güntherschule München - Ausbildungsstätte vom Bund für freie und angewandte Bewegung e.V., die in den Bereichen Gymnastik, Rhythmik, Musik und Tanz ausbildete. Carl Orff selbst übernahm an der Güntherschule die Leitung der Musikabteilung. Grundlage seiner Arbeit bildete die Idee, das musikalisch-rhythmische Gefühl aus der Bewegung heraus zu entwickeln. Aus dieser Idee entwickelte er gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Gunild Keetman ein neues Modell für Musik- und Bewegungserziehung: das Orff-Schulwerk. Erste Veröffentlichungen hierzu erfolgten zwischen 1930 und 1934.

Für die Olympischen Spiele von Berlin 1936 komponierte er den Kinderreigen. Das wiederholte er auch bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München. Hier komponierte er den Gruß der Jugend. Mit Gunild Keetman gab er von 1950 bis 1954 fünf Bände Musik für Kinder heraus (Neufassung des Orff-Schulwerks). Die Kinder sollten durch eine musikalische Erziehung auch zu sich selbst finden. So werden seine Lehren auch in der Heilpädagogik bis heute eingesetzt. Sein bekanntestes Werk wurden die Carmina Burana, ein Musikstück, das 24 Texte aus der mittelalterlichen Handschrift Carmina Burana neu vertonte. Auf literarische Vorlagen (insbesondere von Aischylos, Catull, Friedrich Hölderlin und den Brüdern Grimm) griff er auch bei anderen Werken zurück.

Neben seiner kompositorischen Arbeit übernahm er auch Führungspositionen in verschiedenen musikalischen Einrichtungen. Er war von 1950 bis 1960 Leiter einer Meisterklasse an der Musikhochschule in München. 1961 folgte die Leitung des Orff-Instituts in Salzburg. Orff erhielt zahlreiche Auszeichnungen: Ehrendoktor wurde er in München und Tübingen, das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland erhielt er 1972. 1974 wurde Orff mit dem Romano-Guardini-Preis ausgezeichnet.

Ab 1962 war Wilhelm Keller Leiter des Orff-Instituts in Salzburg. Zusammen mit dem niederländischen Musiker und Musikpädagogen Pierre van Hauwe gehört er zu den größten Förderern des Orffschen Schulwerkes in Europa.

Carl Orff war viermal verheiratet, darunter von 1954 bis 1959 in dritter Ehe mit der Schriftstellerin und Pädagogin Luise Rinser. Orff hatte eine Tochter aus erster Ehe, die Schauspielerin Godela Orff (* 1921). Quelle: Wikipedia


Die Vorstellung

Laudator Ramoncin ist in Spanien ein bekannter Rocksänger: Ramoncin-Video bei youtube mit Queen-Gitarrist Brian May

Der spanische Verleger J. Lanuza
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Plakat Vancouver

Zahlreiche Konzert-Programmhefte zeigen die Illustrationen von Jens Rusch weltweit. Darunter auch das Amsterdam Konzertgebouw

Links

Presse

Bettina Hauser Altea

Ein kleines Schild am Briefkasten: „Lanuza Edicions“. Eine Metalltür, hinter der sich eine schmale Treppe nach oben windet. Josep Lanuza empfängt uns dort, in diesem Reich aus Kunst, Papier und Individualismus. Gefertigt werden in seiner kleinen Werkstatt Bücher. Sammlereditionen, kunstvoll illustrierte Gedichtbände, die nun sorgfältig hinter Glas ruhen. Lanuza lächelt. Zeigt uns seine Schätze aus Papier, führt in diese Welt, in der die Zeit stillzustehen scheint. „Sie kommen wegen ,Carmina Burana‘, nicht wahr?“ Stimmt. Es ist die berühmte Kantate von Carl Orff, der Lanuza sein bislang aufwändigstes Projekt gewidmet hat. Doch halt, unterbricht uns der Spanier, eigentlich gehe es um viel mehr als nur Musik. Wir überlegen kurz. „,Carmina Burana‘“, ist das nicht auch die mittelalterliche Anthologie, die wohl bedeutendsten Vagantensammlung ihrer Zeit zählt? Lanuza nickt. Richtig. Und eben die hat er neu verlegt, illustriert mit 20 Radierungen des deutschen Künstlers Jens Rusch.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Druckausgabe.*Costa Blanca Nachrichten


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Carmina Burana begeisterte viele hundert Zuschauer – was meint der Illustrator zum Werk?
Die Carmina Burana war für die Sociedad Filarmónica Alteanense ein mutiges und großes Werk. Am vergangenen Wochenende standen denn über 280 Darsteller auf der Bühne des Palau Altea um mit Chor, Tanz, Video und Licht die Geschichte darzustellen um die Mönchsgesänge, die eigentlich keine sind. Hunderte Zuschauer kamen, das Palau Altea war fast ausverkauft, Mitglieder der SFA zahlten 30.-€, Nichtmitglieder 38.-€ um die ausgezeichnete Aufführung von Carl Orffs Carmina Burana aus dem Jahre 1937 zu sehen, gesungen vom Chor der SFA und dem Chor Navarro Reverter mit Javier Rubio als Bariton und Juana María de Toro als Sopranstimme. Beteiligt war außerdem das örtliche Konservatorium, die Banda der SFA, das Ballett aus Alcoy von Inma Cortes, das Video wurde bearbeitet von José Miguel Idígoras und die beiden Theatergruppen aus Altea, Albalateatre und Pla i Revés übernahmen die Bühnendarstellung. Begleitend wurde das Buch der Lanuza Ediciones vorgestellt, ein Kunstwerk aus Radierungen des deutschen Künstlers Jens Rusch und Texten aus dem Mittelalter des XIII Jahrhunderts, der Carmina Burana – ein großartiges Werk zu großem Preis – allein die Auszüge der Faximile Ausgaben sollen 200.-€ kosten. Jens Rusch stand Altea-Info zum Gespräch nach der Aufführung Rede und Antwort, erzählte von seiner Arbeit und seinen Eindrücken zur Carmina Burana Interpretation der SFA: „Pepe Lanuza kam mit der Idee einer Illustration zur Carmina Burana auf mich zu in 1995, als ich mein Atelier in Callosa d´En Sarriá hatte. Er wusste, dass die Carmina von Orff zu meiner Ateliermusik gehörte. Schnell waren wir überein gekommen, dass ich 6 Radierungen anfertigen könne, kostenfrei, um seine Idee des Buches über die Carmina Burana zu realisieren und zu bebildern. Danach war es eigentlich eine Spirale. Lanuza entwickelte die Idee immer weiter und größer, bis er mich bat, die doppelte Zahl an Radierungen zu erstellen. Das musste ich natürlich auch erst überdenken denn neben der kreativen Arbeit war auch das Handwerk zu erledigen und das Projekt in meine übrige Arbeit einzubinden. Nachdem ich in 2001 schwer erkrankte, ruhte das Projekt einige Zeit und es war für mich nicht klar, ob ich überhaupt wieder Radierungen arbeiten könnte.“ Die ätzenden Substanzen brachen Rusch zum Nachdenken, mehr zur Malerei hin tendierend sann er jedoch über Möglichkeiten, seiner eigentlichen Schaffenskunst, den Radierungen, erlernt bei Schlotter in Altea, die Treue zu halten. Schließlich fand Rusch Möglichkeiten, stark ventiliert zu arbeiten und auch die höchstgiftigen Substanzen durch verträglichere zu ersetzen. „Die tanzenden Mönche zum Beispiel sind in einer Technik erstellt, die durch ihren weichen Effekt zwar wunderschön ist, aber hochgiftig. Eine solche Arbeit wird es von mir nie wieder geben.“ Einzelstücke allemal sind die Radierungen von Rusch zur Carmina Burana. Das Projekt aber beschäftigt ihn weiter: „Durch die ausgezeichnete semiprofessionelle Umsetzung der Carmina Burana hier in Altea nehme ich viele neue Ideen und Impulse mit nach Hause. Für mich war es ein Erlebnis, wie im Video und auch auf der Bühne meine eigene Interpretation der Carmina Burana Umsetzung fand. So waren Szenen, die bloßer Ausdruck meiner Gefühle zur Orffschen Musik waren, auf der Bühne verwirklicht. Der betrunkene Mönch ist in den lateinischen Texten nicht zu finden, eine reine Interpretation meinerseits zwischen Musik und überlieferten Texten, und auch das Fabelwesen hat ein Gesicht bekommen auf der Bühne, obgleich es meine Phantasie war. Schön zu erleben, dass diese meine Interpretation den anderen Künstlern ebenso nahe ging.“ Damit hat Rusch die Carmina Burana zwar nicht im Grunde verändert, gibt aber dem Gesamtwerk der SFA und Lanuzas als Organisator des Zusammenspiels von Ausstellung, Buch, Bühnenstück und Video einen sehr eigenen Touch. Rusch: „Inzwischen habe ich aus dem Aufführungswochenende wieder neue Impulse mitgenommen. Das Thema Carmina Burana ist für mich doch noch nicht abgeschlossen und so überlege ich, eine Zusammenarbeit mit der Kunsthochschule UMH zu erlangen, einen Professorenaustausch, der es mir unter Umständen durch meine Lehrtätigkeit in Deutschland ermöglicht, im Austausch hier nach Altea zu kommen um das Thema dann in meiner Freizeit als Ölgemäldereihe wieder aufzunehmen.“ Man darf gespannt sein auf weitere Arbeiten von Jens Rusch, Altea weiter verbunden und mit der Carmina Burana verbandelt. Die Buchpräsentation mit den Texten in Valenciano, Englisch und Deutsch soll weitere Carmina Burana Aufführungen international begleiten und so auf dem Kunst- und Kennermarkt verbreitet werden.
(C.-M. Frölich)


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