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Carl, Johann Samuel

Aus Dithmarschen-Wiki

--Ditschie (Diskussion) 07:21, 10. Jul. 2017 (CEST)

Johann Samuel Carl war ein deutscher Mediziner und zwischenzeitlich Leibarzt des dänischen Königs.

Persönliche Angaben

  • Geburtsort: 1677 in Öhringen, Hohenlohekreis;
  • Sterbedatum: 13.06.1757 in Meldorf
  • Taufdatum: 06.06.1677 in Öhringen (Grafschaft Hohenlohe)
  • 1. Ehefrau: Dorothea Scheller
  • 2. Ehefrau: Johanna Sophie von Bülow (ein Hoffräulein der Berleburger Gräfin)
  • Er lebte bei seinem Sohn, der Arzt in Meldorf war, wo er im Alter von über 80 Jahren starb.

Werdegang

  • Johann Samuel Carl begann sein Studium der Medizin bei den Professoren Friedrich Hoffmann und Georg Ernst Stahl an der Universität Halle. Mit Letzterem verband ihn zeit seines Lebens eine Freundschaft, die sich nicht nur in denselben beruflichen Ansichten spiegelte, sondern auch in dem von beiden favorisierten Pietismus.
  • Später wechselte Carl mit denselben Fächern an die Universität Leipzig zu den Professoren Johannes Bohn und August Quirinus Rivinus.
  • 1699 kehrte Carl wieder zu Georg Ernst Stahl nach Halle an der Saale zurück und schloss dort sein Studium erfolgreich mit einer Dissertation ab.
  • Im Jahr 1704 wurde er zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina gewählt.
  • Um diese Zeit schloss Carl sich dem radikalen Pietismus an.
Radikaler Pietismus war eine kirchenkritische Strömung innerhalb des Pietismus. Die meisten radikalen Pietisten waren davon überzeugt, dass wahres Christentum nur außerhalb der verfassten Kirche gelebt werden könne. Deshalb blieben sie den Gottesdiensten und Abendmahlsfeiern fern. Viele verweigerten Taufe und Konfirmation der Kinder und hielten diese von der Schule fern. Außerdem lehnte ein großer Teil der radikalen Pietisten die Eidesleistung und den Militärdienst ab.
  • Er gründete philadelphische Sozietäten und beherbergte den Wanderpropheten Johann Georg Rosenbach.
Philadelphische Sozietät, mystisch-theosophische Sekte in England, die das neue Philadelphia nach Offenbarung 3,7-13 sein sollte, gestiftet 1670 von dem Theosophen John Pordage (1608 - 1686) und der Mystikerin Jane Leade (1623 - 1704).
  • 1708 wurde er deshalb aus Württemberg ausgewiesen. Durch die Fürsprache seines Lehrers Stahl erhielt er eine Anstellung als Hofarzt beim religiös toleranten Grafen von Isenburg-Stolberg.
  • 1714 schloss er sich dort den Inspirierten an, die eins ihrer Zentren in der Grafschaft Isenburg-Büdingen hatten.
  • 1728 trennte er sich von den Inspirierten, die seine zweite Eheschließung nicht guthießen, weil die Ehefrau, Johanna Sophie von Bülow, sich ihnen nicht anschließen wollte. Im selben Jahr avancierte Carl zum Leibarzt des Grafen Sayn-Wittgenstein-Berleburg auf Schloss Berleburg. Auch diese Grafschaft war ein Kumulationspunkt des radikalen Pietismus, u. a. erschien hier die sogenannte Berleburger Bibel. Johann Samuel Carl verfasste einige Erweckungsschriften, unter anderem gründete er - anfangs unter dem Pseudonym Christianus Democritus des seit 1729 ebenfalls in Berleburg ansässigen Johann Konrad Dippel - die Zeitschrift Geistliche Fama, die von 1730 - 1740 erschien und als Hauptorgan der philadelphischen Bewegung bis nach Nordamerika verbreitet war.
  • 1736 wurde Carl als Leibarzt des pietistisch gesinnten dänischen Königs Christian VI. an dessen Hof nach Kopenhagen gerufen. Auch dessen Nachfolger Friedrich V. diente er in dieser Funktion. In Dänemark organisierte er die medizinische Ausbildung neu. Sein in seiner radikalen religiösen Ausrichtung begründeter Streit mit dem Hofprediger Johannes Bartholomäus Bluhme führte jedoch 1740 zu seiner Entlassung aus dem Hofdienst.

Werke

  • Johann Samuel Carls Zeugnuss von Chymischer Storgerey, sonderlich in neuen Exempeln: 1. Panacaea Talci. 2. Antimonii. 3. Solari. 4. Animali. 5. Vegetabili. 6. Spiritu mundi [et] acidis dulcificatis ... samt einer Nachrede von Fatis chymicis. Frankfurt u. Leipzig, 1733
  • Lapis Lydius philosophico-pyrotechnicus: ad ossium fossilium docimasium analytice demonstrandam adhibitis et per multa experimenta chymico-physica in lucem publicam missus. Verlag Sande, Frankfurt am Main 1704
  • Therapia dogmatico clinica: ichnographice delineata. Büdingen 1737
  • Johann Samuel Carls Armen-Apothecke nach allen Grund-Theilen und Sätzen der Medicin kürtzlich und einfältig eingericht und mitgetheilt . Stöhr, Büdingen 6. Auflage 1748 Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
  • Johann Samuel Carls Armen-Apothecke nach allen Grund-Theilen und Sätzen der Medicin kürtzlich und einfältig eingericht und mitgetheilt ; Zum Unterricht und Dienst so wohl der krancken Armen insgemein, als auch derer, die sie versorgen sollen und wollen und doch die eigentliche Erkänntniß in der Artzney-Kunst nicht haben . Stöhr, Büdingen 7. Auflage 1764 Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf

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