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Bruhn, Gustav

Aus Dithmarschen-Wiki

--Ditschie (Diskussion) 12:04, 24. Aug. 2016 (CEST)

Gustav Bruhn war Politiker der KPD und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Gustav Bruhn

Inhaltsverzeichnis

Persönliche Angaben

  • Geburtsdatum: 16.03.1889 in Angermünde (Uckermark);
  • Todesdatum: 14.02.1944 im KZ Neuengamme

Gustav Bruhn war seit 1913 mit Bruhn, Elisabeth verheiratet, gemeinsam hatten sie einen Sohn: Bruhn, Heinrich. Ein weiterer Sohn, Otto, wurde vermutlich als Soldat zur Wehrmacht eingezogen und ist bei Stalingrad verschollen, hierzu ist jedoch nichts weiteres überliefert.

Gustav Bruhn stammte aus einer Eisenbahnerfamilie in Angermünde. Sein Vater, Wilhelm Bruhn, war dort als Stellwerksmeister beschäftigt. Gustav Bruhn besuchte in Angermünde auch die Volksschule und begann anschließend eine Tischlerlehre.


Beruf

  • Lehre als Tischler und anschließend
  • ging er als Geselle auf Wanderschaft und arbeitete in mehreren Städten in Deutschland in seinem Beruf.

Militär

  • 1909 Einberufung zu einem dreijährigen Militärdienst bei der I. Marinedivision in Kiel.
  • 1914 zum Beginn des I: Weltkrieges wurde Gustav Bruhn zur Matrosen-Division nach Wilhelmshaven eingezogen und fuhr dort bis 1915 auf dem Linienschiff "Woerth".
  • 1915 Versetzung zum "Marinecorps Flandern" und Einsatz bei einer Pionierkompanie bis Kriegsende.

Partei / Politische Tätigkeit

  • 1912 Eintritt in die SPD in Hannover
  • 1917 verfolgte Gustav Bruhn sehr aufmerksam die Geschehnisse an Bord der SMS "Prinzregent Luitpold" und dem Schwesterschiff "Friedrich der Große"; dort war es zu Meutereien gekommen, weil die Mannschaftsdienstgrade mangelhaft versorgt wurden und das Offizierkorps teilweise eine schikanöse Menschenführung durchführte. Nach deren Niederschlagung wurden fünf Beteiligte zum Tode verurteilt und zwei von ihnen, Max Reichpietsch und Albin Köbis, hingerichtet, während die anderen begnadigt wurden. Aufgrund dieser Ereignisse, sowie dem Sturz des russischen Zaren, entschloss sich Gustav Bruhn 1918 dem Spartakusbund beizutreten. Nach dem Krieg zog Gustav Bruhn, gemeinsam mit seiner Ehefrau, die inzwischen in Hannover wohnte nach Heide in die Westerstraße und noch in den Tagen der Novemberrevolution sprach er in seiner Soldatenuniform zur Heider Bevölkerung und war bald als "Roter" in ganz Dithmarschen bekannt.
  • 1919 trat Gustav Bruhn von der SPD in die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschland (USPD) über. Gemeinsam mit dem Redakteur und Schriftsetzer Carl Friedrich August Metze und dem Kaufmann Paul Burmähl war sie die bekanntesten Vertreter der USPD in Heide und deren Umland.
Im August 1919 kam es in Heide zu Unruhen, weil besonders die ärmeren Teile der Bevölkerung unter der schlechten Versorgung mit Heizmaterial und Lebensmitteln zu leiden hatte, aber auch die Unzufriedenheit mit den politischen Verhältnissen wuchs.
Am 25.08.1919 kam es im Heider Kaisersaal (heutiges Stadttheater) zu einer öffentlichen Volksversammlung. Auf dieser Volksversammlung rief die USPD zu einer Demonstration auf, die am folgenden Tag auf dem Heider Marktplatz stattfinden sollte.
Am 26.08.1919, um 11:00 Uhr versammelte sich auf dem Heider Marktplatz eine große Menschenmenge und die USPD-Mitglieder Paul Burmähl und Gustav Bruhn brachten ihre Beschwerden vor und sprachen über weitere Mißstände. Der bisherige Arbeiterrat (Organ der Selbstverwaltung in den Städten) werde sein Amt niederlegen und es sollte bis zu den Neuwahlen eine provisorischer Arbeiterrat unter Vorsitz von Claus Metze die Geschäfte weiter führen. Es wurde dann auch noch eine Erklärung des Polizeikommissars Andrae bekannt gegeben, wonach dieser sein Amt nieder legte. Eine eingebrachte Resolution wurde angenommen, die einen Beigeordneten beim Landrat und beim Bürgermeister forderte. Daraufhin begab sich die Menge zum Landratsamt, um dem Landrat die Resolution vorzulegen. Bei dem Zug dorthin wurden die Scheiben beim Polizeikommissar Andrae eingeworfen und es wurde ohne Machbefugnis ein Geschäft geschlossen, vorübergehend wurde auch der Bahnhof die Post besetzt. Schließlich endete der Zug beim Geschäftshaus des "Heider Anzeiger" und eine Kommission unter Paul Burmähl verlangte von dem Verleger Johnsen, das alle Eingaben angenommen werden sollten. Danach verlief sich die Menge. Die Krisensitzung der Stadtverwaltung am 27.08.1919 ergab, dass der neue Arbeiterrat nicht anerkannt wurde und gegen die Aktiven scharfe Strafen angedroht wurden. In den folgenden Monaten sprach Gustav Bruhn auf vielen Versammlungen in Heide und in Norderdithmarschen.
  • Am 13.03.1920 wurde der sogenannte Kapp-Putsch durchgeführt; ein nach 100 Stunden gescheiterter, konterrevolutionärer Putschversuch gegen die nach der Novemberrevolution geschaffene Weimarer Republik. Anführer war General Walther von Lüttwitz mit Unterstützung von Erich Ludendorff, während Wolfgang Kapp mit seiner „Nationalen Vereinigung“ nur eine Nebenrolle spielte.
Der Garnisonsälteste, Hauptmann von Liliencron, unterstützte zusammen mit dem örtlichen Postdirektor die Putschisten, woraufhin der Arbeiterrat von Liliencron festnehmen liess.
Am 14.03.1920 gab es eine große Volksversammlung im Heider Tivoli, auf der auch Carl Metze und Gustav Bruhn sprachen. Gustav Bruhn wurde in den neuen Arbeiterrat gewählt und zum Beigeordneten für den nationalkonservativen Landrat bestimmt.
  • 10/1920 gründete Gustav Bruhn die Ortsgruppe Heide der Kommunistischen Partei mit.
  • 1921 nahm er als Delegierter an dem VII. KPD-Parteitag in Jena teil.
  • 1923 wurde Gustav Bruhn Vorsitzender der KPD-Ortsgruppe Heide und folgte damit Erich Böhlig. Zudem wurde er noch Stadtverordneter in Heide und Kreistagsabgeordneter.
  • Am 23.10.1923 organisierte die KPD in Hamburg den "Hamburger Aufstand", Ziel des Aufstandes war der bewaffnete Umsturz in Deutschland nach dem Vorbild der russischen Oktoberrevolution 1917.
Gustav Bruhn und seine Genossen standen hierzu auch in Heide bereit, jedoch verhaftete die Polizei Gustav Bruhn und einen Teil seiner politischen Freunde. Drei Hundertschaften der "Roten Arbeiterwehr" der Maschinenfabrik Köster wollten die Freilassung der Festgenommenen erzwingen, dies führte dann dazu, dass die Gefangenen nach Flensburg überführt und in "Schutzhaft" (Inhaftierung ohne Verurteilung oder dringendem Tatverdacht) genommen wurden.
  • 1924 wurde Gustav Bruhn aus der Haft entlassen und nahm seine politische Tätigkeit wieder auf und er wurde zum Stadtverordneten in Heide und zum Kreistagsabgeordneten in Norderdithmarschen gewählt; die KPD delegierte ihn in diesem Jahr auch zum V. Weltkongress der Kommunistischen Internationalen in Moskau.
  • Ab 1925 arbeitete Gustav Bruhn als Parteisekretär und Unterbezirksleiter in Heide und Itzehoe.
  • Am 30.01.1926 nahm Gustav Bruhn an der Gründungsversammlung der NSDAP in Heide im Tivoli teil. Sein oppositionelles Auftreten wurde in der Festschrift zum zehnjährigen Bestehen der NSDAP erwähnt.
  • Ab 1927 arbeitete Gustav Bruhn als Parteisekretär und Unterbezirksleiter der KPD in Lübeck. In diesem Jahr wurde er auf dem Heider Bahnhof verhaftet, weil ihm vorgeworfen wurde, er solle eine illegale Broschüre vertrieben haben.
  • Am 25.09.1927 wurde er durch den 4. Strafsenat des Reichsgerichts zu einer neunmonatigen Festungshaft verurteilt, sowie zu einer Geldstrafe in Höhe von 100 Mark. Die Festungshaft sollte er auf der Festung Gollnow (in der Nähe von Stettin) verbringen.
  • Am 20.05.1928 erfolgte die Wahl als Abgeordneter der KPD für den Preußischen Landtag, dem er dann bis 1932 angehörte. Durch das Landtagsmandat erhielt er parlamentarische Immunität und diese beendete seine Festungshaft. Nun erfolgte auch der Umzug der Familie, die bis dahin in Heide wohnte, nach Altona. Er gehörte auch dem Plenum und der Bezirksleitung "Wasserkante" der KPD in Lübeck an und wurde von der dortigen Kriminalpolizei beobachtet, die auch einen V-Mann auf ihn angesetzt hatte.
  • Die Berichte der Kriminalpolizei Lübeck gingen ab Oktober 1931 an die "Nachrichtensammelstelle" des Reichsministeriums des Inneren, die Informationen zur "KPD-Zersetzung" sammelte.
  • In Erwartung der Machtübernahme der NSDAP traf die KPD Vorsorge für den Fall ihres Verbots und des dann folgenden illegalen Widerstands in Hamburg und Schleswig-Holstein. An der Erarbeitung der Vorsorge-Maßnahmen war auch Gustav Bruhn aktiv beteiligt.

Widerstand im III. Reich

  • Vom 26.04.1933 - 17.06.1933 wurde Gustav Bruhn in "Schutzhaft" im KZ Fuhlsbüttel inhaftiert. Nach seiner Entlassung nahm er sofort wieder seine politische Tätigkeit auf und sein Aktionsfeld erweiterte sich bis Hannover.
  • September 1933 wurde er erneut festgenommen und am 13.10.1933 in der Untersuchungsgefängnis Hamburg eingeliefert und am 27.06.1934 nach Hannover überstellt. Am 09.08.1934 kam er wieder in das Hamburger Untersuchungsgefängnis zurück. Am 01.03.1935 wurde er nach Berlin überstellt.
  • Am 14.03.1935 wurde Gustav Bruhn durch den Volksgerichtshof in Berlin wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Weil seine Untersuchungshaft angerechnet wurde, endete die Haftzeit 1937, wo er die Haft verbrachte ist nicht bekannt, sein Sohn Heinrich berichtete aber, diese sei in Rendsburg verbüßt worden.
  • Nach Verbüßung der Haft wurde Gustav Bruhn als "rückfälliger Schutzhäftling" am 16.04.1937 in das Konzentrationslager Sachsenhausen eingeliefert.
  • Im April 1939 wurde er aus der KZ-Haft entlassen und war gleich im Widerstand wieder aktiv.
  • Im Herbst 1941 gründete sich die Widerstandsgruppe "Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe". Sie war mit etwa 300 Mitgliedern in über dreißig Hamburger Betrieben die größte regionale Widerstandsgruppe in Hamburg. Im Frühjahr 1942 konnte Robert Abshagen Gustav Bruhn für die Mitarbeit in der Gruppe gewinnen. Gustav Bruhn übernahm die Leitung der Industriegruppe "Metall".
  • Am 18.10.1942 wurden Gustav Bruhn und seine Ehefrau Elisabeth in einer ersten Verhaftungswelle gegen die Gruppe festgenommen und waren anschließend intensiven Verhören und schweren Folterungen ausgesetzt.
  • Am 23.03.1943 wurden beide aus dem Polizeigefängnis Fuhlsbüttel (vorher KZ Fuhlsbüttel) in der Untersuchungsgefängnis Hamburg überstellt.
  • Ende Juli 1943 die Gebäude der Gestapo und des Justizwesens bei einem Luftangriff der englischen Luftwaffe so schwer beschädigt, dass beschlossen wurde, etwa 2.000 Hamburger Untersuchungshäftlingen Haftverschonung zu gewähren. 70 Mitglieder der "Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe" erhielten vom 31.07.1943 - 01.10.1943 Hafturlaub mit der Auflage "keine Verbindung mit Tatgenossen aufzunehmen". Gustav und Elisabeth Bruhn tauchten sofort unter und wechselten ständig die Quartiere. Gustav Bruhn nahm sofort wieder seine politische Tätigkeit auf und er versuchte gemeinsam mit Walter Bohne die zerschlagene Organisation wieder aufzubauen.
  • Ab Ende Oktober 1943 wohnte Gustav Bruhn bei Friedrich (Fiete) Löhn in Hamburg; dort lernte er Alfons Pannek kennen, der ursprünglich Kommunist und Spanienkämpfer war, aber inzwischen als Gestapo-Agent tätig war. Alfons Pannek erschlich sich das Vertrauen von Gustav Bruhn und verschaffte ihm auch ein Quartier in seiner eigenen Wohnung.
  • Im Dezember 1943 wollte Gustav Bruhn nach Hannover übersiedeln und dort untertauchen. Hierzu verschaffte ihm Alfons Pannek falsche Papiere. Bei der Ankunft in Hannover am 13.12.1943 wurde Gustav Bruhn bei der Abfahrt des Zuges einer "zufälligen" Fahrkarten- und Ausweiskontrolle unterzogen und verhaftet. Alfons Pannek betrieb dann die schnelle Hinrichtung des Gustav Bruhn, damit seine Tätigkeit als Gestapo-Spitzel unentdeckt bleiben sollte. Die Staatspolizeileitstelle Hamburg stellte bei Heinrich Himmler für Gustav und Elisabeth Bruhn, Hans Hornberger und Kurt Schill, die inzwischen auch verhaftet worden waren, einen Antrag auf "Sonderbehandlung". Ohne Gerichtsverfahren wurden die vier Festgenommenen am 14.02.1944 in das KZ-Neuengamme gebracht und dort am gleichen Tag im Exekutionsbunker gehängt.
Über die Geschehnisse dort schrieb Alfred Baumbach, ein Freund der Familie Bruhn: "Als wir am 14. Februar 1944 morgens in den Transportwagen stiegen, der uns von Fuhlsbüttel nach Neuengamme brachte, sah ich, wie Gustav und Lisbeth Bruhn und einige andere Häftlinge in einem schrecklichen Zustand von begleitender SS und den Gestapomännern Helms und Litzow in den Wagen getrieben wurden. Ich ahnte, dass etwas Furchtbares bevorstand. Im Wagen versuchte ich, neben Lisbeth zu gelangen, um ihr durch eine freundliche Geste mein Mitgefühl auszudrücken. Sie war vollkommen verstört. Beim Aussteigen in Neuengamme wollte Gustav sich neben uns stellen. Er wurde von Helms und den anderen SS-Männern mit höhnischen Bemerkungen: ‚Das könnte euch so passen!’ und durch Faustschläge und Fußtritte von uns getrennt. Die Gruppe Gustav und Lisbeth Bruhn, Hans Hornberger und Kurt Schill, den Fünften kannten wir nicht, wurde dann von der SS abgeführt. Helms und Litzow gingen mit. Am gleichen Abend wussten schon alle Genossen im Lager, dass die fünf im Bunker gehängt worden waren."

Gedenken

An Bruhn wird im KZ Sachsenhausen und in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin erinnert. In seiner Geburtsstadt Angermünde sind eine Grundschule und eine Straße nach ihm benannt worden. Im Ehrenhain des Friedhofes Ohlsdorf erinnert ein Gedenkstein an Gustav und Elisabeth Bruhn. Für Gastav Bruhn wurde in Hamburg in der Schellingstr. 16 ein Stolperstein verlegt.


Literatur

  • Ursel Hochmuth: Niemand und nichts wird vergessen. Biogramme und Briefe Hamburger Widerstandskämpfer 1933–1945. Hamburg 2005, ISBN 3-89965-121-9.
  • Peter Steinbach, Johannes Tuchel (Hgg.): Lexikon des Widerstandes 1933–1945. C. H. Beck, München 1998, S. 36f.
  • Bruhn, Gustav. In: Hermann Weber, Andreas Herbst (Hrsg.): Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. Zweite, überarbeitete und stark erweiterte Auflage. Karl Dietz Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-320-02130-6.

Weblinks


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