Dithmarschen-Wiki

Druckversion | Impressum | Datenschutz

Büsumer Werft

Aus Dithmarschen-Wiki

Chronik.jpg

Urthel
Admiral Scheer
Bussard
Cimbria
Hermann Blume
Joh. Katz
Ulvö
Uwe Jens Lornsen

Inhaltsverzeichnis

Die Geschichte der Büsumer Werft(en)

1901-1936 Die erste Büsumer Werft Die Geschichte der Büsumer Werften ist eng mit der Geschichte bzw. der Entwicklung des Büsumer Hafens verbunden. Der erste Büsumer Hafen wurde, wie archäologische Funde zeigen, ca. 1000 v. Chr. im Bereich der heutigen Alleestraße/Hafenstraße angelegt. Um 1720 entstand das heutige Hafenbecken I (Museumshafen). Im Jahre 1885 führte der Störfischer Wilhelm Külper das Fischen mit Netzen aus Segelbooten in Büsum ein. Daraus entwickelte sich relativ schnell die Kutterfischerei - bereits 1895 betrieben 12 Boote auf diese Art und Weise den Krabbenfang. Daraus ergab sich schnell der Bedarf an einer Reparaturmöglichkeit in Büsum - bislang wurden Reparaturen durch "trockenfallen lassen" bei Niedrigwasser durchgeführt. So konnten allerdings nur kleinere Reparaturen durchgeführt werden, die die Dauer einer Tide nicht überstiegen. In seiner Generalversammlung vom 10. Januar 1902 beschloss daher der Büsumer Fischereiverein einen "Antrag an das Kirchspiel um Überlassung eines Grundstücks am Hafen zwecks Anlegung eines Hellings" zu stellen. Diesem Antrag wird im März stattgegeben. Diese erste Büsumer Werft befand sich auf dem Gelände des heutigen Tonnenhofes. 1903 übernimmt das "Ministerium der öffentlichen Arbeiten" des preußischen Staates den Hafen.

1905/1906 wird das Hafenbecken vergrössert und mit dem Bau des Hafenbeckens II begonnen, dass vor allem als Liegeplatz für die grösseren, dem Schollenfang dienenden Schiffen vorgesehen ist. Bis 1910 werden auf der Werft Boote und kleine Kutter ohne Motorantrieb gebaut.

1914 wird eine Maschinenwerkstatt gebaut und mit den nötigen Maschinen ausgestattet. 1921 verkauft Albers die Werft an Kramer, Vagt und Beckmann, Kramer und Vagt sind Flugzeugtechniker, Beckmann ist Schiffszimmermann.

1925 Der neue Hafen ist in Richtung Osten nur durch ein hölzernes Bollwerk gesichert, diese Massnahme reicht nicht aus, daher wird die "neue Insel" (heute zwischen Hafenbecken II und III) aufgeschüttet. Diese Insel wird durch eine Holzbrücke mit dem Festland verbunden.

'1927' Die alte Werft wird abgerissen und zum Tonnenhof. Auf der neuen Werft läuft die "Feuerland", ein Expeditionsschiff für Gunther Plüschow (der Flieger von Tsingtau) am 11.10. vom Stapel. Finanziert wird das Schiff, dass für eine Weltumsegelung vorgesehen ist, vom Ullstein Verlag. Die Taufrede hält Dr. Karl Ullstein aus Berlin. Am 24.11. läuft die "Feuerland" nach einem Gottesdienst unter Glockengeläut aus.

1928 laufen zwei weitere Motorfischkutter vom Stapel.

1929 die Werft wird in die "Kramer und Vagt GmbH" umgewandelt. Es werden unter anderem 2 Motorbarkassen für die Kriegsmarine abgeliefert. Aufgrund der Weltwirtschaftskrise gehen nur noch Reparaturaufträge ein.

1932 Am 02.07 kauft Ing. Köhn aus Lauenburg die Werft für 3000,- Reichsmark und pachtet das Gelände vom Staat. Am 03.09. nimmt die Werft ihren Betrieb wieder auf. Zu diesem Zeitpunkt umfasst die Fischereiflotte in Büsum 130 Kutter, eine Anzahl, die nie wieder erreicht wird. 1933/1934 für Büsumer Fischer werden die Kutter "Iltis", "Henny", "Admiral Scheer" und "Nordseeluft" gebaut.

1935/1936 kämpft die Werft wieder einmal um ihr Überleben, Aufträge bleiben aus. Am 01. 03. 1936 verlässt Hermann Beckmann Büsum und die Werft.



1936-1963 Büsumer-Schiffswerft W.& E. Sielaff

1936 Am 15.03 kauft der Hamburger Schiffbaumeister Wilhelm Sielaff die Büsumer Werft für 7000 RM und übernimmt den Pachtvertrag für das Gelände. Bereits am 01.04. nimmt er den Betrieb auf. Bis zu diesem Zeitpunkt baute Sielaff Kajaks und Sportboote auf seiner Hamburger Werft. Der Kontakt nach Büsum kam zustande, weil seine Frau Emmi eine gebürtige Büsumerin ist. Sielaff baut eine moderne Querslipanlage - die erste an der Westküste und die Maschinenhalle wird mit neuen Maschinen ausgerüstet. Das erste Schiff, das aufgeslipt wird ist die "La Paloma". Im August herrscht grosse Freude auf der Werft, vier der in Hamburg bei Sielaff für die deutsche Olympiamannschaft gebauten Kajaks gewinnen Medaillen: 2x Gold, 1x Silber, 1x Bronze - auf der Werft wird "über die Toppen geflaggt".

1937 Der Fischkutterbau wird wieder aufgenommen, am 09.06. läuft der Kutter "Momme Friedrich" vom Stapel. 1938 Das Polizeiboot "Uwe-Jens Lornsen" läuft vom Stapel und wird in Dienst gestellt, außerdem wird ein Motorboot für die deutsche Luftwaffe gebaut. Die Liegeplätze im Büsumer Hafen reichen nicht mehr aus, daher wird mit jetzt mit der Erweiterung des Hafens, sowie dem Bau der Ost-, und Westmole, sowie der Schleuse begonnen. Bereits zu diesem Zeitpunkt war die Verlegung der Werft in das Hafenbecken III geplant - aufgrund des Krieges werden einzelne Baumassnahmen begonnen, können allerdings nicht im ganzen Umfang ausgeführt werden.

1939-1945 Der in Spanten stehende Neubau Nr. 36 wird stillgelegt, die Büsumer-Schiffswerft W.&E. Sielaff wird zum Wehrwirtschaftsbetrieb für Fischerei erklärt, kurz darauf wird aus ihr ein Rüstungsbetrieb für die Wehrmacht. Nach dem Bau einiger Torpedo-Transportschuten werden - inzwischen ist die Werft Rüstungsbetrieb für Geheimaufträge ausgewiesen - in den ersten Kriegsjahren U-Boot Türme des Typs VII.B, später X.21 gefertigt und an Blohm&Voss in Hamburg angeliefert. Die Türme werden mit Chrom-Nickel Elektroden von russischen Kriegsgefangenen geschweisst (eine Elektrode kostet 1,20 RM!). Ausser den ca. 100 U-Boot Türmen wird eine schwimmende Ladestation für U-Boot Batterien (schon auf der Überfahrt von Helgoland zum Jadebusen versenkt!) und ein Werkstattponton für Schnellboote gebaut. Die Belegschaft setzt sich aus 32 Deutschen und 50 Kriegsgefangenen (Russen, Franzosen, Belgiern) zusammen. 1944 feiert Wilhelm Sielaff sein 25 jähriges Berufsjubiläum.

1945 erhält Büsum am 04. Mai seinen ersten Bombenangriff. Die Bilanz: 9 Tote, 19 Verletzte, fünf völlig zerstörte Häuser. Bei diesem Angriff wurde auch die Werft beschädigt.

1945-1946 Der Fischkutter mit der Baunummer 36 wird auf eigene Rechnung aus noch vorhandenen Materialien fertiggestellt und nach Hamburg verkauft. Es werden weitere 4 Kutter für Büsumer Fischer gebaut, darunter ein sogenannter Wiedergutmachungskutter. Ausserdem werden aus Materialabfällen Brennhexen hergestellt, die von der Gemeinde gegen Bezugsscheine ausgegeben werden. Für diese Bezugsscheine bekommt die Werft wiederum Eisenscheine und somit den nötigen Stahl.

1947 Das Zeitalter des Stahlschiffbaus beginnt in Büsum. 3 Stahlfischkutter, unter ihnen der bis Ende der 1980er Jahre in Dienst stehende "Seefalke", werden gebaut.

1949 Nach Aufhebung der durch die Alliierten auferlegten Beschränkungen für den deutschen Schiffbau wird erstmalig ein Küstenmotorschiff (Bau Nr. 152) auf Kiel gelegt. Dieser erste Kümo "Gretchen Vollmers" läuft am 15.04.1950 vom Stapel.

1953 am 25.04 wählt die Belegschaft zum ersten Mal einen Betriebsratsvorsitzenden - Gustav Gierke - 23 Jahre lang vertritt er die Interessen der Werftmitarbeiter. Die Ausrüstung der Neubauten findet inzwischen an der Pier im Hafenbecken III statt.

1954 ein Kanadisches Küstenwachboot - ein Überbleibsel aus dem zweiten Weltkrieg - wird umgebaut und an den Bundesgrenzschutz abgeliefert. Als Betriebsleiter wird Hr. Ternow eingesetzt, die Belegschaft besteht mittlerweile aus rund 90 Personen.

1956 Ein neuer Betriebsleiter, Hr. Johannsen, wird eingestellt, die Belegschaft ist inzwischen auf 120 Personen angewachsen. Im Zuge des Gesamthafenausbaus soll die Werft an den Kopf des Hafenbeckens III (dem endgültigen Standort) verlegt werden.

1957 Der Bau des neuen Werftgeländes wird abgeschlossen, am 20.11.1957 ist das Richtfest, am 05.12.1957 findet die Einweihung des neuen Betriebes statt. Die Belegschaft hat mittlerweile eine Stärke von 200 Personen erreicht.

1958 am 20. Januar bricht in aller Frühe ein Großbrand in der Tischlerei aus, die von dem Feuer völlig vernichtet wird. Nur dem Einsatz der Feuerwehren aus Büsum, Westerdeichstrich, Wesselburen und Heide ist es zu verdanken, daß die angrenzenden Gebäude und in der Nähe liegenden Schiffe verschont bleiben.

1959 Zum ersten Mal seit langer Zeit muss die Belegschaft abgebaut werden - 160 Personen bleiben bei der Werft in Lohn, trotzdem wird die Slipanlage um 12 Meter verlängert - Schiffe von 80 Metern Länge und 7 Metern Tiefgang können nun aufgeslipt werden.

1960 Auf der Slipanlage werden die ersten grösseren Reparaturen durchgeführt, der norwegische Frachter "Jolita" wird erhöht, die im Vorjahr in Büsum gebaute "Brigitte Gräbe" wird um 6,50 Meter verlängert und der Frachter "Karl Koltz" zu einem Torpedoversuchsschiff für die Bundesmarine umgebaut. Ausserdem läuft am 30. September das erste und leider einzige Fahrgastschiff "Amrum" vom Stapel. Für dieses Schiff übernahm die Gemeinde Büsum eine Patenschaft, als Dank für die Aufnahme der Büsumer Fischer auf Amrum.

1961 im Juli wird die "Graeko", das erste über 1000 tdw grosse Frachtschiff abgeliefert. Insgesamt läuft der Betrieb auf voller Leistung.

1963 Nachdem die "Rugia" vom Stapel gelaufen ist, sind die Mienen der Werftarbeiter nicht sehr fröhlich, die "fetten 50er Jahre" sind vorbei, der Bedarf der deutschen Reeder an Schiffen ist vorerst gedeckt. Während der letzten Jahre herrschte ein starker Konkurenzkampf unter den Werften, der Ausbau der Werft hatte viel Geld verschlungen, Rücklagen konnten kaum gebildet werden. Als dann in den Wintermonaten kurz gearbeitet werden musste, geriet die Werft in ernste Schwierigkeiten. Selbst ein Konkurs schien nicht ausgeschlossen. Da das Ehepaar Sielaff keine direkten Nachkommen hat, wurde ein Verkauf der Werft ins Auge gefasst. Am 01.10. übernahm der Hamburger Reeder und Werftbesitzer Alnwick Harmstorf die Büsumer Werft.

1963-1986 Büsumer Werft GmbH

1963 aus der Büsumer-Schiffswerft W.&E. Sielaff wird die Büsumer Werft GmbH. Hr. Dobrilof wird kommissarisch als Betriebsleiter eingesetzt, vorhandene Aufträge werden abgeschlossen und die Schiffe den Eignern übergeben. Das letzte Schiff aus der Sielaff Ära, die "Rugia" wird am 29.11. abgeliefert. Um aber die Arbeitsplätze der inzwischen nur noch 93 Personen zählenden Belegschaft zu retten, gibt die Reederei Harmstorf unverzüglich einen modernen Küstentanker in Auftrag.

Alnwick Harmstorf, seine Familie betrieb die Reederei bereits seit 1870, hatte 1953 die bis dahin kleine Schlichting-Werft in Travemünde gekauft. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden dort überwiegend kleinere Boote gebaut. Unter der Leitung von A. F. Harmstorf, wurde daraus schnell eine bedeutende Stahlschiffswerft, die Schiffe bis über 22.000 tdw baute. Die Reederei bewirtschaftete Trockenfracht- und Tankschiffe, die nach den Elbsänden benannt sind und alle auf ...sand enden.

Zunächst wurde eine generelle Umstrukturierung der Werft vorgenommen. Da die Schlichting Werft über alle notwendigen Abteilungen verfügte (Projektabteilung, Konstruktionsabteilung, Aquisitionsabteilung, Einkaufsabteilung), wurden diese Abteilungen in Büsum geschlossen und aus der Büsumer Werft GmbH wurde ein reiner Fertigungsbetrieb, der alle zum Bau eines Schiffes nötigen Unterlagen aus Travemünde erhielt - lediglich kleinere Änderungen wurden in Büsum selbst durchgeführt.

1964 Am 01.07. übernimmt Schiffbauingenieur Herwig Mohr die Betriebsleitung der Werft. Die Fertigstellung des Tankschiffes erweist sich schwieriger als gedacht, doch mit Unterstützung aus Travemünde wird die "Yorksand" fertiggestellt. Aufgrund der Entwicklung im Schiffbau musste man sich nun entschliessen, entweder weiterhin Kümos zu bauen, oder in den "Großschiffbau" einzusteigen. Da die ersten grösseren Kümos kontrakiert werden konnten, entscheidet man sich für den Ausbau und die Modernisierung der Werft. Als erstes wird eine automatische 1:10 Brennschneidmaschine "Sicomat" angeschafft, die im Vorjahr aus dem Konkurs der Hamburger Schlieker Werft gekauft wurde. Es folgt eine Furnierpresse für die Tischlerei, sowie das äusserlich auffälligste Merkmal: ein 25 Tonnen tragender Kran der Hamburger Herstellerfirma Kampnagel, gekauft von der "AG Weser". Am Ende des Jahres zählt die Belegschaft bereits wieder 136 Mitarbeiter.

Ein Portalkran, der bei der Schlichting Werft in Travemünde verschrottet werden sollte wird überholt und dient in Büsum als Lagerkran für Plattenmaterial sowie Profile aller Art - er wird später durch einen moderneren Portalkran ersetzt.

Inzwischen zählt die Belegschaft 167 Mitarbeiter: 145 Arbeiter, 9 Lehrlinge und 13 Angestellte. Der Stundenlohn beträgt 3,56 DM und der Reparaturstundensatz 10,- DM. Elektromeister H. Bornemann feiert in diesem Jahr sein 25 järiges Betriebsjubiläum. Ausserdem wird die Vormontaghalle fertiggestellt, eine Gas- und Sauerstoffstation errichtet und eine 160 to Hydraulikpresse von der Schlichting Werft montiert - mit ihr werden Plattenmaterialien vorgeformt. Ferner wird die Pförtnerei abgebrochen und eine neue mit einer neuen Zufahrt zur Materialanlieferung errichtet. In diesem Jahr werden die ersten "Werftwohnungen" in der Otto-Johannsen-Straße errichtet.

1966 Der Versuch Kümo-Reparaturen und Garantiearbeiten durchzuführen misslingt: Beim Aufslipen der "Leopard" brechen 4 von 5 Trossen mit denen die Slipwagen gezogen werden, das Schiff rutscht einige Meter ins Hafenbecken zurück und bleibt auf halbem Weg stehen. Weder durch ziehen, noch durch drücken lässt sich das Schiff bewegen - bei Niedrigwasser wird die Situation begutachtet: vier der Ablaufwagen sind aus den Schienen gesprungen und haben die Fundamentbalken völlig zerstört. Nach Tag und Nachtarbeit während der Niedrigwasserzeit werden im vorderen Bereich Ablaufbahnen mit Schlitten unter das Schiff gebaut. Um das Schiff auf diese Bahn absetzen zu können, werden die Hölzer auf den entgleisten Slipwagen weggesprengt. Nach 10 Arbeitstagen schwimmt "Leopard" wieder - aus der Reparatur jedoch wird nichts. Die beschädigten Planken und Ablaufbahnen werden repariert und gleichzeitig durch zusätzliche Flachgründungen für grössere Belastungen verstärkt. Belegschaftsstand: 184 Arbeiter, 15 Lehrlinge, 13 Angestellte. In diesem Jahr feiert der Schiffszimmermann H. Möller sein 30 jähriges Betriebsjubiläum. 1967 die Werft konzentriert sich auf hochwertige, grössere Schiffe, Kümos mit denen man jahrelang in Büsum Geld verdiente werden nicht mehr gebaut. Das erste Ro/Ro Schiff "Arcturus" wird in Büsum gebaut.

1968 geht als das "Kühlschiffjahr" in die Chronik der Büsumer Werft ein. 4 Kühlschiffe für dänische Reeder werden in Büsum gebaut - einer der Reeder "Nils Blaesbjerg" wird in den folgenden Jahren Stammkunde in Büsum. Inzwischen geht der Trend in Büsum unverkennbar zum "grossen Schiff", die Kühlschiffe haben immerhin eine Länge von 75 Metern. Allerdings ist dem Großschiffbau das Tor zum Meer zu klein - sprich eine neue Schleuse wäre aus Sicht der Werft dringend erforderlich um mit anderen Werften mithalten zu können.

Die Werft weist in einem entsprechendem Schreiben an die Gemeinde auf das Problem hin und zeigt die Entwicklungsmöglichkeiten der Werft nach dem Bau einer neuen Kammerschleuse hin. Die Gemeinde wurde zwar bei der Landesregierung vorstellig, dorch der damalige Wirtschaftsminister Knudsen (selbst Reeder) lehnte den Bau der Schleuse ab - die Bundesregierung glaubte nach seiner Ansicht nicht, das die Wirtschaftskraft der Westküste dadurch wesentlich gestärkt würde.

1969 ungeachtet des "Neins" aus Kiel wird auf der Werft um- und ausgebaut. Es entsteht ein Gebäudekomplex mit einem Trakt Maschinenbau / mechanische Bearbeitung / Rohr - und Schiffschlosserei, sowie eine Trakt für Lager / Magazin / Werkstatt für die Instandhaltung und Werkzeugausgabe. In der oberen Etage werden Räume für die Lehrlingsausbildung, Bauaufsicht, Reederei und Fremdfirmen geschaffen. Ende des Jahres wird ein Ausrüstungskran vor diesem Gebäudekomplex in Betrieb genommen, er kann 8 Tonnen heben. Ein Besuch des inzwischen amtierenden Wirtschaftsministers Gaul lässt neue Hoffnung bezüglich der Schleuse aufkommen - er stellt eine baldige Entscheidung in Aussicht. Die Werft ist voll ausgelastet und benötigt dringend Arbeitskräfte - die ersten "Gastarbeiter" aus der Türkei werden eingestellt.

Nach langjähriger Pause wird in diesem Jahr wieder ein Betriebsfest durchgeführt.

1970 Das erste Containerschiff "Tropic Eve" verlässt Büsum, ebenso wird der erste Schwerlastfrachter "Unit Scan" abgeliefert.

1971 Die Büsumer Werft GmbH liefert zum ersten Mal Schiffe nach Island. In Kiel gibt es zwar mit Hr. Narjes einen neuen Wirtschaftsminister, bezüglich der Schleuse hat sich aber noch nichts getan. Im Lager wird ein neuer 5 to. Portalkran aufgestellt und ein Platten - und Profillager eingerichtet. Inzwischen ist die Bearbeitungshalle zu klein geworden, eine neue Brennhalle wird in direkter Verlängerung der alten Halle angebaut. Für die Beschickung der Hallen werden Rollbahnen installiert. Die Häuser der ehemaligen Fischmehlfabrik werden angekauft. Das kleinere wird zu einem Gastarbeiterwohnheim umgebaut.

1972 findet erstmalig eine Weihnachtsfeier für die Rentner der Werft statt. Als neuer Betriebsratsvorsitzender löst Werner Wilms Gustav Gierke ab - er hat 23 Jahre lang die Interessen der Belegschaft vertreten.

1973 werden drei Frachter eines neuen Typs abgeliefert, bei einer Vermessung von 1399 BRT tragen diese Schiffe 3600 Tonnen, sind 80,5 Meter lang und 13,6 Meter breit (die Schleuse ist 13,7 Meter breit !). Dieser neue Typ bewährt sich und es gibt eine grosse Nachfrage nach diesen Schiffen. Weitere Schiffe mit 1599 BRT und 4200 tdw grösser als die Vorgänger stellen die Werft vor ein neues Problem: die vorhandene Slipanlage reicht für diese Schiffe nicht aus. Eine Vergrösserung der alten Helling scheidet bei den schlechten Bodenverhältnissen aus Kostengründen aus. Für geringe Mehrkosten wird daher die neue Helling gebaut.

1974 am 30.01. findet der erste Stapellauf von dieser Helling statt. Statt die Schiffe wie bislang auf Wagen langsam in ihr neues Element zu überführen, werden sie hier auf einer schiefen Ebene aufgelegt und rutschen auf dieser schiefen Ebene herunter. Am Ende der Ablaufbahn fallen sie ins Wasser. Leider gibt es bereits beim zweiten Stapellauf einen Unfall: Bei starkem Ostwind brechen die zum Abbremsen der "Mercandian Sea" nötigen Trossen. Das Schiff wird vom Wind mit dem Heck gegen die westliche Pier gedrückt, daraufhin schwenkt das Vorschiff herum und wird gegen die östliche Pier gedrückt. Es entsteht ein beträchtlicher Schaden: Ruderblatt und Propeller des Schiffs werden beschädigt, an der Westpier knickte ein an Land aufgestellter Ladebaum um und fiel auf einen PKW der ebenfalls schwer beschädigt wird und ein an der Ostpier liegender Kümo wird vom Wulstbug der "Mercandian Sea" beschädigt. Die Reparaturen werden schnellstens durchgeführt, der Neubau kann termingerecht abgeliefert werden. Ebenso wird der Kümo wieder instandgesetzt.

In diesem Jahr werden die ersten Produktentanker "Rhone" und "Odet" gebaut.

1975 Eine zusätzliche 1:10 Brennschneidmaschine "Omnimat" wird angeschafft, man wollte sich nicht nur auf die Maschine aus dem Jahr 1958 verlassen. Peter Müller wird neuer Betriebsleiter.

Am 29.04. teilt Staatssekretär Nebel mit, das die Landesregierung den Bau der neuen Schleuse aufgrund zu hoher Kosten (insgesamt 134 Millionen DM) abgelehnt hat. Der von der Landesregierung angegebene Preis wird als viel zu hoch angesehen, daher wird von Büsumer Seite aus die Firma Philip Holzmann beauftragt, einen verbindlichen Preis für das Sperrwerk zu errechnen. Als Ergebnis präsentiert die Firmengruppe Holzmann/Griese einen Vorschlag, der ein Sturmflutsperrwerk vor der Schleuse vorsieht, damit könnte auf kostensparende Weise die Schleuse auf eine Breite von 22 Meter verbreitert werden.

1977 nach zehnjährigen Bemühungen der Büsumer Werft GmbH und der Gemeindevertretung wird endlich "grünes Licht" zum Bau der Schleuse gegeben. Allerdings wirft jetzt die Werftenkrise ihre Schatten voraus, aufgrund der Ölkrise 1973 ist der Tankermarkt zusammengebrochen, der später dann auch die Massengutfrachter mit sich zieht.

Am 01.10. wird aber erst einmal das 75 jährige Bestehen der Werft gefeiert. 3500 Besucher besichtigen die Werft inklusive des fast fertig ausgerüsteten Neubaus "Mercandian Moon".

1978 Die Werftenkrise ist jetzt unübersehbar. Die 5 Weintanker, die in Büsum gebaut werden sollten, werden wegen fehlender Aufträge bei der Schlichting Werft gebaut. Als Ausgleich für die fehlenden Aufträge bestellt die Harmstorf Reederei 4 Kühlschiffe. Die Kühlschiffe können verkauft werden, so dass weitere 2 Kühlschiffe des gleichen Typs, sowie ein grösseres Schiff von der Harmstorf Reederei in Auftrag gegeben werden. Insgesamt kann die Werft damit zu 80% ausgelastet werden.

1979 Trotz allen Engagements muss für das erste Quartal Kurzarbeit angemeldet werden.

In diesem Jahr greift man eine alte Tradition wieder auf: auf der Büsumer Werft GmbH wird ein völlig neukonzipierter Kutter für den Büsumer Fischermeister "Alfred Krippner" gebaut. Dieses Schiff unterscheidet sich deutlich von anderen Fischkuttern. Das Ruderhaus wird auf das Vorschiff verlegt, so das darunter ein geschütztes Arbeitsdeck entsteht. Mit wenig Aufwand kann der Kutter vom Krabbenfang zum Fang von Frischfisch (Heckfänger) umgerüstet werden. Trotz aller Innovation und Qualität bleiben weitere Bestellungen dieses Typs aus.

1980 Wieder einmal beweisen die Büsumer Schiffbauer, dass sie wahre Spezialisten sind. Die zum damaligen Zeitpunkt einmaligen Müllverbrennungsschiffe "Jeddah 19" und "Dammam 30" werden in Büsum gebaut. Sie sollen die ständig steigende Verschmutzung in den saudiarabischen Häfen Jeddah und Dammam eindämmen. Die Schiffe sind mit einem Ladekran ausgestattet, der den Müll in einen Zerkleinerer einbringt, von dort wird der Müll mit einem Spezialförderband in die Müllverbrennungsanlage gefördert und verbrannt. Zusätzlich zu den Müllverbrennungsschiffen entstehen in Spandau bei den ebenfalls zum Harmstorf Konzern gehörenden "Deutschen Industriewerken Berlin", zwei Müllsammelschiffe, die sowohl festen, als auch flüssigen Unrat aus dem Wasser fischen und an die Müllverbrennungsschiffe übergeben können.

1980 Der Büsumer Werft GmbH gelingt es wieder einmal mehr, seinen Umsatz mit Spezialschiffen zu verdienen. Diesmal sind es Produktentanker. In insgesamt 13 verschiedenen Edelstahltanks, die teilweise sogar beheizbar sind, können hochwertige oder empfindliche Flüssigkeiten transportiert werden. Die Besonderheit beim Bau dieser Schiffe sind sogenannte "plattierte" Stahlplatten, die auf der einen Seite aus Stahl bestehen und auf der anderen Seite eine Edelstahlplatte aufgewalzt bekommen. Das Problem bei der Verarbeitung derartiger Spezialstähle liegt in den unterschiedlichen Eigenschaften dieser Materialien. Ausserdem können die Platten nicht mit einem herkömmlichen Gas- und Sauerstoffbrenner gebrannt werden, dazu wird ein Plasmastrahl benötigt.

Ein Spezialtanker dieses Typs kostet ca. 25 Millionen DM - je nach Ausstattung können es ein paar Millionen Mark mehr oder weniger sein.

1982 endlich ist es soweit: Die neue Schleuse kann in Betrieb genommen werden, ein Ereignis, dass man kaum abwarten konnte, wurde doch in Travemünde bei der Schlichting Werft ein 16 Millionen DM teures, 110 Meter langes Schwimmdock für die Büsumer Werft gebaut, um die Kapazität zu erhöhen und in das Reparaturgeschäft einzusteigen. Trotz der neuen, breiteren Schleuse konnte das Dock nur in zwei Hälften in den Hafen gebracht werden, wo es dann, teilweise sogar unter Wasser, zusammengeschweisst wurde. Das Dock kann Schiffe bis 4000 Tonnen Eigengewicht heben, das entspricht etwa einer Tragfähigkeit von 10.000 tdw. Diese Schiffsgrösse kann dank der neuen Schleuse noch gerade in den Büsumer Hafen einlaufen. Mit der Indienststellung des Docks wurden 57 neue Arbeitsplätze geschaffen und die häufigen Docktage zeigen, dass die Investitionsentscheidung in das Dock auf jeden Fall richtig war. Am 06.11. ist wieder einmal ein Tag der offenen Tür, bei dem die Bevölkerung das neue Dock, sowie viele Verbesserungen besichtigen konnte. Inzwischen hatte die Werft mit dem 60 Tonnen Kran an der Helling ein neues "Wahrzeichen" erhalten, dass den alten 25 Tonnen Kampnagel Kran erst entlastet und später überflüssig macht. Im Oktober wird die neue Schleuse offiziell in Betrieb genommen, gerade rechtzeitig, denn die Werft nimmt die beiden grössten in Büsum gebauten Schiffe in Auftrag. Diese Schiffe mit je 6000 tdw haben eine Länge von 104 Metern und eine Breite von 18 Metern. 1983 seit dem Frühjahr führte Dipl.-Ing. Jochen Kuhtz die Werft, die wieder einmal ein neues Typschiff einführt, ein mittelgrosses Semicontainerschiff, dass sowohl Container, als auch Stück- und Schüttgut transportieren kann.

1985 Bis kurz vor dem "Aus" zeigen die Büsumer Schiffbauer noch einmal all ihr Können. Mehrere Schiffe werden in Büsum teilweise im Dock, teilweise an Land liegend verlängert. Doch alle Mühen und alles Können der Mitarbeiter der Büsumer Werft GmbH können die Schliessung der Werft nicht verhindern. Die letzten Aufträge in Form von Behältern für Rauchgasentschwefelungsarbeiten degradieren die Fachkräfte zu Stahlbauern. Leider sichert auch dieses "Opfer" nicht das Überleben der Werft. 1986 Am 30. September um 15:30 Uhr endet die letzte Schicht auf der Büsumer Werft, nachdem der Mutterkonzern einen Vergleich beantragt hat. Die Büsumer Werft und auch die Schlichting Werft in Travemünde werden daraufhin "abgewickelt".

85 Jahre Schiffbautradition gehen in Büsum zu Ende

1987 Versucht die Timm Metall- und Schweisstechnik die Werftätigkeit auf dem Gelände der Büsumer Werft wiederzubeleben - allerdings ohne Erfolg. Auch ein neuerlich nach Büsum verbrachtes Dock kann nicht helfen.

Heute findet man in Büsum noch zwei Betriebe mit Werfttätigkeit. Die Werft von Reimer Landberg hat sich auf den Umbau von Kuttern zu Lustschiffen spezialisiert und Fa. Mascheider kann mit einer Slipanlage (die übrigens in Teilen aus einer Anlage von der Schlichting Werft Travemünde besteht) kleinere Einheiten zu Reparatur- und Malerarbeiten aufslipen.

Bilder Büsumer Werft 2008


Danksagung

Mein ganz besonderer Dank gilt Frau Ingrid Mohr, die mir ihre umfangreiche Chronik der Büsumer Werft zur Verfügung gestellt hat, aus der wesentliche Teile hier eingeflossen sind.

Eine große Bereicherung bei meinen Recherchen und zugleich auch Tip an alle Interessierten sind die Bücher von Kurt Winter "Büsum Hafen und Fischerei im 20. Jahrhundert" - erhältlich in den örtlichen Buchhandlungen.

Ferner habe ich die Artikel "Die Industrieserie: Büsumer Werft" der Dithmarscher Landeszeitung zu Hilfe genommen.


Ausarbeitung: Dieter Andreas Sattler

Links

Werftarchiv , ausgearbeitet von Dieter Andreas Sattler


Finden

Durchsuchen
Startseite
Vorwort
Gruppe bei Facebook
Alle Artikel
Aktuelle Ereignisse
Letzte Änderungen
Zufällige Seite
Erste Schritte
Support
Bearbeiten
Quelltext anzeigen
Bearbeitungshilfe
Seitenoptionen
Diese Seite diskutieren
Neuer Abschnitt
Druckversion
Kontext
Versionen
Links auf diese Seite
Änderungen an verlinkten Seiten
Meine Seiten
Anmelden / Benutzerkonto anlegen
Spezialseiten
Neue Seiten
Dateiliste
Statistik
Mehr …